Via Appia

Ein Legionär namens Quintus Granius

Granius 04

Es lohnt sich, wenn man die Via Appia entlang geht auch auf Details zu achten. Man trifft auf zahlreiche Inschriften, die zum großen Teil von Grabmalen stammen. Im 19. Jahrhundert wurde die Via Appia Antica, als antiker Straßenverlauf wiederentdeckt, dabei tat sich vor allem der Archäologe Luigi Canina hervor, der zahlreiche Bruchstücke von Grabmälern ausgrub und teilweise entlang der Straße an Mauern und rekonstruierten Grabmälern drapierte. Eine ganze Schauwand verschiedener Marmorreliefe wurde an der Wand des Castrum Caetani angebracht. Der Burg, die im Mittelalter an das riesige Grabmal der Cecilia Metella angebaut wurde.

Darunter fällt eine in großen, sehr akkuraten Lettern geschrieben Inschrift auf.

Q · GRANIUS · M · F
LABEO · TR · MIL
LEG ·TERTIAE

Auf den ersten Blick eine rätselhafte Aneinanderreihung von Abkürzungen. Doch wenn wir sie auseinanderpuzzeln und übersetzen, bekommen wir eine kleine Lebensgeschichte.

Einige Buchstaben waren bei den Römern feststehende Abkürzungen. So stand Q fast immer für den beliebten Vornamen Quintus, ein Hinweis darauf, dass der Namensträger im fünften Monat geboren wurde. Da bei den Römern das Jahr am 1. März begann, also im Juli. Wir haben es hier also mit Quintus Granius Labeo zu tun. Die meisten Römer hatten drei Namen. Den praenomen, also den Vornamen, den nomen gentile, den Namen der Sippe und meistens noch einen Beinamen, den cognomen, der oft eine Wesensart des Trägers beschrieb aber auch vom Vater vererbt wurde. Labeo ist dabei alles andere als schmeichelhaft, besagt der Name doch, dass Quintus Granius (oder sein Vorfahr) dicke Lippen wie ein Karpfen hatte.

Wie üblich bei römischen Grabsteinen, wird auch der Vater erwähnt. Er verbirgt sich hinter den Buchstaben M und F, die für Marcus filius, Sohn des Marcus steht. Es sind eine ganze Menge Marcus Granius bekannt, von einem wurde sogar sein Grab in Rumänien gefunden. Leider passt keiner davon gesichert zu unserem Quintus.

Die Gens Granius ist seit dem 2. Jahrhundert v.Chr. bekannt und stammte wohl ursprünglich aus Puteoli (heute Pozzuoli) am Golf von Neapel. Ihr gehörten viele Kaufmänner später auch Senatoren und andere Politiker und Beamte an. Berühmt war ein Quintus Granius, der als Ausrufer tätig war, dabei aber so schlagfertig war und mit Wortspielen unterhielt, dass er selbst von Cicero zitiert wurde. Um unseren Quintus Granius kann es sich aber nicht handeln, da die Art der Schrift auf die Zeit um Christi Geburt hinweist. Außerdem war er ein Militär, wie der zweite Teil der Inschrift verrät.

TR(ibunus) MIL(itum) LEG(ionis) TERTIAE

Er war also Tribun, einer von sechs Offizieren der dritten Legion. Es gab allerdings mehrere Legionen die als dritte nummeriert wurden. Die Legio III Augusta schlug unter dem Kommando von Oktavius (der spätere Augustus) die Mörder Cäsars und sicherte später die Provinz Africa, in etwa das heutige Tunesien. Die Legio III Cyrenaica wurde etwa zeitgleich gegründet, wurde vor allem in Ägypten eingesetzt und unternahm Feldzüge bis in den heutigen Jemen. Es ist also anzunehmen, dass Quintus Granius in Nordafrika militärische Karriere machte und wohlhabend wurde. Die Tafel war sicher an einem aufwendig gestalteten Grabmal angebracht. Schließlich ähnelt es durchaus der Namenstafel am großen Grabmal der Cecilia Metella direkt nebenan.

Quellen: Ministero per i Beni Culturali,

siehe auch:
Via Appia
Die Quelle der Egeria

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Granius 02

Granius 05

Spolienwand

Cecilia Metella 001

Grabmal der Cecilia Metella

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