Via Appia

An der Porta Capena

Porta Capena 010

Piazza di Porta Capena  Blick zum Circus Maximus

Porta Capena – Das Tor der Via Appia.

Die Porta Capena war einst der Beginn der Via Appia. Heute ist die Piazza di Porta Capena an Werktagen ein vom Autoverkehr, von Bussen und Straßenbahnen umbrauster, weiter Platz. So weit, dass die Straßenbauer ihre Asphalttrassen wahllos und viel zu breit in die Landschaft legen konnten. Doch heute kann man hier in Ruhe spazieren gehen. Die Via delle Terme di Caracalla ist für ein Sportereignis gesperrt. Es findet die Weltmeisterschaft der Geher statt. Begleitet von den herüberwehenden Wortfetzen der Sprecher, die die Leichtathleten ankündigen, schweift mein Blick von den Ruinen der Kaiserplaläste auf dem Palatin über die bescheidenen Reste des Circus Maximus. Im Hintergrund grüßt die Kuppel des Petersdom. Auf der anderen Seite blinken die Mauern der Caracallathermen durch die Bäume. Ein entspannter Sonntagvormittag.

Gehen ist ja auch ein sehr ruhiger Sport finde ich. Wahrscheinlich ist das Rennen viel aufregender, da es unsere Urinstinkte alarmiert. Wenn ein Steinzeitmensch gerannt ist, dann vor allem, weil er vor etwas wegrannte. Also sagt der Instinkt, lieber mitrennen, bevor der Säbelzahntiger um die Ecke jagt. Wenn jemand geht, auch wenn er sehr schnell geht, signalisiert das keine Gefahr. Unter den Gehern vor den Caracallathermen hat sich der Südtiroler Alex Schwazer an die Spitze gesetzt. Der Sprecher hat hörbar Schwierigkeiten den Namen seines Landsmanns auszusprechen.

Vor Urzeiten war hier ein wasser- und waldreiches Tal, eingeklemmt zwischen die Hügel Palatin, Aventin und Caelius. Auf dem Palatin lag ein kleines Dorf, das einmal zur Metropole Rom werden sollte. Dort wo heute die Unterbauten der Kaiserpaläste zu sehen sind, schützten noch steile Felswände die Bewohner vor Eindringlingen. Im 6. oder 5. Jahrhundert vor Christus kamen dessen Römer auf die Idee das Tal zum Tiber hin für Pferderennen zu nutzen. Fast 700 Jahre dauerte es bis zum Endausbau als Circus Maximus aus Ziegel und Marmor. Mit über 250 000 Zuschauerplätzen das bis heute größte Sportgebäude der Menschheit. Über tausend Jahre dauerte es bis er wieder verschwand. Man hat nur bescheidene Reste der Fundamente der Südkurve ausgegraben. Der Turm gehörte zu einer mittelalterlichen Festung die sich in die Ruine einnistete.

Am Fuß des Caelius jedoch, wo jetzt Jogger, angeregt vom Event, sich warmlaufen, erstreckte sich ein Hain der den Römern heilig war. Hier wohnten zu einer Zeit, als die wilde Natur Latiums noch von mystischen Gestalten bevölkert war, eine Gruppe Quellnymphen, die Camenae. Der legendäre zweite König von Rom, Numa Pompilius, soll sich in eine davon, Egeria, verleibt haben. Ihre heimlichen Treffen hier im Gebüsch hatten aber nicht nur einen erotischen Zweck. Egeria diktierte dem König die Gesetze Roms in den Notizblock. Als Numa starb löste sie sich im wahrsten Sinne in Tränen auf und wurde selbst zu einer Quelle, die heute noch am dritten Meilenstein der Via Appia sprudelt.

König Servius Tullius soll schließlich im 6. Jahrhundert v.Chr. Rom mit einer Stadtmauer umbegen haben. Wenn man sich am Hauptbahnhof Termini beim Verlassen nach rechts wendet, sieht man das am besten erhaltene Stück. Hier beim Hain der Nymphen ist nur noch ein unförmiger Ziegelblock erhalten, der zum Stadttor gehören soll, aber doch wohl eher den Rest eines späteren Turms darstellt. Als Consul Appius Claudius Caecus 312 v.Chr. die Via Appia bis zur eben ins Römische Reich eingegliederten süditalienischen Stadt Capua bauen ließ, wurde das Tor zur Porta Capena. Als später die Stadt längst über die Stadtmauer hinweggewachsen war, behielt diese Bedeutung, da über sie die Aqua Marcia, einer der wichtigsten Aquädukte verlief. Da dieser wohl undicht war, bekam sie, wie Juvenal berichtete, von den Römern den Spitznamen Arcus stillans, tropfendes Tor.

In der Zeit der römischen Kaiser verschwand der Hain der Nymphen langsam zwischen Monumentalbauten, Thermen, Tempel und Paläste. Heute ist das Tal wieder zum großen Teil ein Park in dem man zumindest an autofreien Tagen die Gedanken schweifen lassen kann.

Quellen: Daniele Manacorda und Riccardo Santangeli Valenzani, Il Primo Miglio della Via Appia, Christoff Neumeister, Das antike Rom: ein literarischer Stadtführer, Roma Segreta,

siehe auch:
Via Appia
Die Quelle der Egeria

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Porta Capena 001

Antiker Rest an der Porta Capena

Porta Capena 011

Kategorien:Via Appia

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