Rom

Eine antike Raststätte

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Opus reticulatum

Archäologische Ausgrabungen an der Via Portuense

Trajanssäule Detail 001

Ochsenkarren auf einer römischen Straße, Detail der Trajanssäule

Ich hatte die Gelegenheit eine Ausgrabung in einem römischen Vorort zu besuchen. An der Via Portuense, unter einer Eisenbahnbrücke, im gleichnamigen Stadtviertel im Südwesten Roms wird schon seit geraumer Zeit ein Komplex ausgegraben, dessen Kern eine Mansio bildete. Eine Mansio ist in etwa mit einer heutigen Autobahnraststätte zu vergleichen. Mansiones gab es spätestens seit der Zeit von Kaiser Augustus an allen römischen Überlandstraßen. Wer schnell unterwegs sein wollte, wechselte alle 10 km die Pferde und fand dafür regelmäßig eine Mutatio mit ca. 40 Tieren. Mansiones boten den Reisenden weitere Bequemlichkeiten.

Die Raststätte an der Via Portuense verfügte über eine ansehnliche Thermenanlage. Daneben wurde eine Zisterne in einen älteren Steinbruch integriert. Wir sehen noch deutlich die dick gemauerten Wände die innen mit Opus caementitium ausgekleidet waren, dem römischen Beton. Durch die Zugabe von vulkanischer Pozzulanerde wurde dieser wasserfest. Ähnliches sieht man im Vicus Caprarius in Rom. Die Zisterne wurde durch eine Wasserleitung gespeist. Noch weiß man nicht woher dieses Wasser kam. Im Anschluss stand ein Gebäude mit mehreren Räumen, die eigentliche Raststätte. Weiter Teile der Anlage wurden bei einer früheren Grabung unter einem nahen Supermarkt gefunden. Dort soll auch ein kleines Museum, u.a. mit den gefundenen Mosaikböden, eingerichtet werden. Die jetzt freigelegten Mauern werden nach der Dokumentation wieder verschüttet. Die Anwohner klagen schon jetzt über die Engstelle unter der Eisenbahnbrücke die Staus verursacht.

Die Mansio wurde unter Kaiser Trajan, Anfang des 2. Jhd.n.Chr. an der ebenfalls von ihm in Auftrag gegebenen Via Portuense erbaut. Sie liegt in strategisch wichtiger Lage wo die Via Portuense von der viel älteren Via Campana abzweigt. Die Via Campana zählt zu den ältesten Straßen Roms. Sie wurde nicht planmäßig gebaut wie die Via Appia sondern entstand aus einem uralten Weg der vom Campus Salinarum (daher der Name) den Salzfeldern beim heutigen Flughafen Fiumicino, den Flussmäandern folgend, tiberaufwärts führte. Bei der Tiberinsel überquerte sie den Fluss und mündete in die Via Salaria, die Salzstrasse, über die das wertvolle Salz in die Berge und bis zur Adria gebracht wurde. Erst als Kaiser Claudius den neuen Hafen Portus Romae anlegen ließ, wurde die Via Campana breit und gepflastert ausgebaut. Schon 50 Jahre später legte Trajan die neue schnurgerade Via Portuense an, die der alten Via Campana schnell den Rang ablief. Hier an der Gabelung wurde die Raststätte erbaut.

Beide Straßen waren, wie im Römischen Reich üblich, von Gräbern gesäumt. Man fand ein aufwendiges Mausoleum, aber auch zahlreich schmucklose Gräber armer Römer. Die Römer errichteten die Gräber ihrer Verstorbenen entlang der Straßen möglichst auffällig, denn man glaubte, wenn ein Reisender einen Blick auf das Grab warf, dass er dem Toten einen Moment seiner Existenz zurückgab.

Nach dem Ende des Römischen Reichs wurden Reste der Mansio für einfache Wohnungen weiterverwendet, wie man an Umbauspuren sehen kann. Im Mittelalter war die Gegend verlassen und malariaverseucht. Lediglich die Via Portuense blieb in Betrieb. Wenn auch die Reisenden sich nicht mehr in warmen Thermen erholen konnten.

Quellen: Arvalia Storia, Wikipedia, La Repubblica

Stadtführung in Rom

Buchtipp:

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Mauern der Mansio

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Zisterne mit Rest des Opus caementitium

Kategorien:Rom

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