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Denkmal für einen Massenmörder

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Affile

Das kleine Bergstädtchen Affile, 80 km östlich von Rom hat saubere Luft, eine große, antike Zisterne, einen bemerkenswerten Wein und ein Mausoleum, das Italien spaltet. Ercole Viri, Bürgermeister seid 2008 hat das Projekt des Denkmals für Rodolfo Graziani mit Vorrang vorangetrieben und schließlich im August letzten Jahres im Beisein neofaschistischer Parteigrößen eröffnet. Ein Akt, der zu internationalem Aufsehen und zu Demonstrationen vor den italienischen Botschaften in London und Washington führte, den Rodolfo Garziani war einer der größten Kriegsverbrecher und Massenmörder in Mussolinis Italien.

Garziani schlug ab 1921 Aufstände in der italienischen Kolonie Lybien brutal nieder und errichtete dort die ersten Konzentrationslager in denen die Insassen durch Schwerarbeit systematisch vernichtet wurden. Ab 1935 eroberte er für Mussolini Äthiopien und regierte es im Anschluss als Vizekönig. Auch hier mit äußerster Brutalität gegen die Zivilbevölkerung. Bis zu 700.000 Tote gehen auf sein Konto. Kein Wunder, dass das Denkmal in Affile für diplomatische Verstimmungen mit Äthiopien sorgte. Nachdem die Briten die Italiener aus Äthiopien vertrieben haben wurde Graziani Kriegsminister von Hitlers Marionettenstaat, der Republik von Salò. Nicht verwunderlich, dass er in dieser Funktion seiner Mordliste noch tausende Partisanen zufügte. Und doch kam dieser widerwärtige Mensch, wie ihn die FAZ bezeichnet nach dem Krieg glimpflich davon. Von 19 Jahren, zu denen er verurteilt wurde, saß er nur zwei Jahre im Gefängnis ab. Bis zu seinem Tod 1955 ließ er sich in Affile nieder und wirkte als Ehrenpräsident des neofaschistischen MSI.

Unglaublich, dass so einem Kriegsverbrecher ein aufwändiges Denkmal gesetzt wird und es ist doch Realität in Italien 2012. Die damalige Präsidentin Renata Polverini, von Berlusconis Partei PdL erklärte, dass sie das Denkmal am liebsten abreißen würde, doch keine Kompetenz dafür hätte. Dabei hatte sie selbst kurz zuvor 120.000 € Zuschuss an Steuergeldern für das Denkmal bewilligt. Der Bau wurde in großspurigem faschistischem Stil errichtet und mit der Inschrift „Vaterland und Ehre“ versehen. Nachdem im Februar Nicola Zingaretti vom Partito Democratico als Nachfolger Polverinis gewählt wurde, verkündigte dieser sogleich mit großer Geste, dass der Zuschuss der Region nun gesperrt würde. Eine sehr symbolische Geste, da das Geld ja längst verbaut ist. Von einer Rückzahlung der Steuergelder oder gar einem Abriss, wie zuvor aus seiner Partei gefordert ist keine Rede mehr. Nicht zu vergessen, Zingarettis Partei ist auf nationaler Ebene mit Berlusconi eine Koalition eingegangen. Zu den Koalitionären gehört auch Alessandra Mussolini. Die Dame könnte verstimmt sein, wenn das Denkmal für den General ihres Großvaters abgerissen würde. Der Movimento 5 stelle nahm die Angelegenheit zum Anlass die Veranstaltunge zum Jahrestag der Befreiung vom Faschismus am 25. April zu boykottieren.

Bürgermeister Ercole Viri hat die Büste Grazianis aus seinem eigenen Besitz für das Mausoleum gestiftet. Gegen ihn ist nun eine Anzeige wegen der Unterstützung des Faschismus beim Amtsgericht in Tivoli anhängig. Dies hinderte ihn jedoch nicht am letzten Wochenende für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Er wurde mit 61,26% wiedergewählt.

Meine Quellen: Die Welt, FAZ (leider kostenpflichtiger Artikel), Die Presse, La Repubblica, dto. Wahlergebnis

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Das Mausoleum für Graziani in Affile, Provinz Rom

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