Allgemein

Schutzpatron der Pferde entführt

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Sacri Cuori di Gesù e Maria

La Storta

Fast zehn Tage brauchte es bis der Pfarrer Don Adriano Furgoni den Verlust bemerkte. Bereits am 11. März war ihm aufgefallen, dass die Tür zur Sakristei offen stand. Doch er dachte an ein eigenes Versehen. Da die Kirche Sacri Cuori di Gesù e Maria wegen einer Restaurierung gerade geschlossen ist, kommt dort eigentlich sonst niemand hinein. Erst letztes Wochenende kontrollierte er den Reliquienschrank und stellte mit Schrecken fest, dass er leer geräumt war. Neben fast 200 anderen Reliquien fehlten ein Splitter des Kreuzes an dem Jesus starb und die sterblichen Überreste des Heiligen Hippolyt, dem Schutzpatron von Pferden und Reitern. (siehe Bericht in La Repubblica)

Nun ist die Kirche im beschaulichen römischen Vorort La Storta nicht irgendein Gotteshaus. Auch wenn man es dem 1950 errichteten Bau nicht ansieht, ist es doch die Bischofskirche eines der ältesten Bistümer der katholischen Kirche, dem Bistum Porto – Santa Rufina.

Im Jahr 42 n.Chr. gründete Kaiser Claudius nördlich der Tibermündung einen neuen Seehafen um das von Versandung bedrohte Ostia zu entlasten. Dieser Portus Ostiensis Augusti, der einfach unter dem Namen Portus (= Hafen) bekannt wurde, überflügelte schnell Ostia. Ab 103 n.Chr. erweiterte Kaiser Trajan Portus um ein achteckiges Hafenbecken, das heute noch am Rand des Flughafens Fiumicino zu sehen ist. Am Hafen entstand eine Stadt, die im 3. Jahrhundert bereits 40.000 Einwohner zählte. Vor allem griechische Kaufleute siedelten sich an. Aber es gab auch eine große jüdische Gemeinde. Beides Bevölkerungsgruppen, in denen das Christentum als erstes Fuß fasste. Bereits 314 wird zum ersten Mal ein Bischof von Porto erwähnt.

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Dierick Bouts, Martyrium des Hl. Hyppolit, St. Salvator Kathedrale Brügge

Hippolyt lebte im 3. Jahrhundert. Er kam aus dem Osten nach Rom und propagierte die strenge Einhaltung der Lehren Christi. Damit stand er im Gegensatz zum Papst Pontianus und wurde von seinen Anhängern zum ersten Gegenpapst der Geschichte ausgerufen. Kaiser Maximus Thrax verbannte die Streithähne nach Sardinien in ein Bergwerk, wo beide unter den harten Bedingungen starben. Beigesetzt wurden sie in römischen Katakomben. Die Gebeine des Hippolyt wurden jedoch später nach Portus überführt, wo sie in der Basilika Sant’Ippolito zahlreiche Pilger anzogen.

Mit dem Ende des Römischen Reichs brachen für Portus schwere Zeiten an. Zahlreiche Barbarenvölker zogen durch Italien und immer war auch die reiche Handelsstadt Portus Ziel von Plünderungen und Brandschatzungen. Da die Landwirtschaft brach lag, versumpfte das Tiberdelta und Malaria breitete sich aus. Im 9. Jahrhundert gab man das längst entvölkerte Portus schließlich auf und der Bischofsitz mit seinen vielen Reliquien, einschließich Hippolyt, zog um auf die Tiberinsel mitten im sicheren Rom. Der Campanile der Basilika wurde zum Wachturm umgebaut um nach Piraten Ausschau halten zu können.

Da dem Papst ein fremdes Bistum mitten in seinem Rom suspekt war erklärte er die kleine Kapelle der Heiligen Lucia und Rufina im alten Gebiet von Portus zur neuen Bischofskathedrale. Nicht unpassend für ein Bistum in dem nur noch ein paar hundert Fischer und Hirten lebten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem das Gebiet wiederbesiedelt wurde, baute man eine würdigere Bischofskirche in La Storta, das seit alters her die letzte Station auf dem Pilgerweg nach Rom war. Der Heilige Hippolyt machte alle Umzüge mit. Er konnte in zwei Jahrtausenden vor Goten, Vandalen, Sarazenen und Piraten in Sicherheit gebracht werden. Und nun wird er 2009 einfach geklaut, weil der Pfarrer vergessen hat abzuschliessen. Man weiß es noch nicht ob die Diebe Lösegeldforderungen stellen werden oder ob sie im Auftrag eines verschrobenen Sammlers agierten. Möglicherweise waren sogar Satanisten am Werk. Die großen Reliquienschränke in La Storta bleiben wohl vorerst, trotz der Gebete der Gläubigen, leer.

Nachtrag:
Die Polizei hatte doch einen überraschenden Erfolg und bereits eine Woche später die Reliquien in einer Feldhütte nicht weit von La Storta gefunden. Hippolyt ist also wieder daheim in der Kirche.

(siehe Bericht in La Repubblica)

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